Der “Get off my lawn”-Fernsehblogger im Interview. Irgendwo ganz interessant aber er erreicht langsam die kritische Masse Zuschauer ab der er selbst anfangen müsste, Verantwortung zu teilen (kommt auch im Interview vor). Da er das nicht vorhat, sehe ich in der näheren Zukunft Stillstand und Stillstand ist Rückschritt.

Waren wir mal ab, wie er sich weiter entwickelt. Am Ende wird er gefragt, wo er sich in fünf Jahren sieht. Wisse er nicht. Keine gute Sache find ich.

Erfreuen wir uns einfach an seiner Energie so lange er noch da ist in dieser Form. Er hat jetzt angefangen, Werbung zu schalten, damit er sich finanzieren kann. Wo das bei Bitsundso hingeführt hat, sieht man 1,5 Jahre nach dem Pro-Abo ja bei Gamesundso (1 neue Folge pro Monat mittlerweile, nicht mehr jede Woche).

Ich hab während der Oberstufenzeit drei Jahre neben einem Mitschüler gesessen, der schwul war (und wohl noch ist. Ich denk er lebt noch ;-) ) Wenn man sich so diese Videos anguckt dann überrascht es mich immer wieder, wie ich darüber denke. Für mich war er immer schwul. Das fing damit an dass er Ralph König gelesen hat und in einer Mädchenclique durch die Gegend lief. Was ich mochte war immer, dass er kein “schwuchteliges” Verhalten an den Tag gelegt hat sondern ein “normales”. Ich denke jetzt gehen wieder die Augenbrauen hoch und es kommen ein Haufen Mädchen um die Ecke gesprungen und herrschen mich an “Sowas sagt man nicht” und “Du bist ja selbst Teil des Problems”.

Ich denke das stimmt. Irgendwo. Ich habe ihn immer behandelt wie jeden anderen Mitschüler auch. Ich habe mich auch als er sein Coming-Out hatte weiterhin so ihm gegenüber verhalten. Ich habe mich genau so über ihn lustig gemacht wie über andere. So wie es meine Art ist. Ich hab ihn mit den Dingen aufgezogen, die ihn betreffen. Seine Haare, seine Klamotten… seine sexuellen Vorlieben… nein Moment, eigentlich stimmt das nicht. Eigentlich habe ich alle Heteros damit aufgezogen, dass sie vielleicht schwul sein können. Ihn habe ich dagegen NICHT damit aufgezogen, dass er eventuell hetero ist. Von daher denke ich ist es genau das “Problem”. Einen Homosexueller wird auch das Aufziehen der anderen Mitschüler persönlich treffen. Er wird denken “Alle Menschen hassen Schwule”.

Dabei ist das absoluter Käse.

Denn wenn man es genau nimmt haben MICH auch viele Leute für schwul gehalten. Weil ich in der Schule nie eine Freundin hatte. “Der kann ja nur schwul sein”. Für mich war das ehrlich gesagt nie ein Problem. Ich wusste, dass es immer die Idiotie der Anderen war, die MICH als Menschen nicht verstanden haben. DAS war das Problem. Ich hatte nie eine Freundin, weil mir bewusst war, wie unsicher, selbstsüchtig und eigensinnig Menschen sind. Weil ich eine “richtige” Beziehung haben wollte und nicht nur Sex. Oder “irgendwas” – damit bloß keiner sagt, dass ich schwul bin.

Komischerweise bin ich dann doch bisweilen Mädchen hinterher gerannt, die genau das verkörpert haben. Mich nicht kennen. Nur an sich selbst denken. In der Vergötterung durch einen Jungen aufgehen. All sowas halt.

Für mich ist das Video, das ich oben verlinkt habe, auch sehr ausdrucksstark. Das “It gets better”-Programm ist entstanden, weil sich in den USA unzählige homosexuelle Jugendliche umbringen. Jeden Tag. Diese Videos sind meiner Ansicht nach sowas wie ein Heftpflaster. Weil sie sagen “Hey, bring Dich nicht um. Es wird schon besser werden”.

Aber das ist leicht gesagt. Woran erkennt man Akzeptanz darin, dass man “ganz normal wie alle anderen aufgezogen wird”? Ich bin heute noch der Ansicht, dass ich nie ein Freund meines homosexuellen Mitschülers war. Vielleicht liest er das hier ja mal und findet heraus, dass ich es nie “so gemeint” habe. Aber nein halt, das klingt wie eine Entschuldigung. Ich habe es so gemeint. Ich wollte ihn ärgern wie alle anderen. Wenn er mich deshalb nicht mochte – auch gut. Wenn er mich nur nicht mochte, weil ich gemein war an sich – noch besser ;-)

Das, was mich immer hervortreten ließ und eventuell immer noch hervortreten lässt ist, dass ich einfach meine Meinung sage. Und damit können viele absolut nicht umgehen. Weil ansonsten immer Anpassung angesagt ist. Klappe halten. Hinten im Klassenzimmer sitzen. Wenn der Automat die Pfandflaschen nicht nimmt nicht den Marktleiter verlangen. Wenn sich jemand in der Schlange vordrängelt die Klappe halten.

Bloß nicht auffallen. Bloß nicht anders sein. Bloß nicht schwul sein.

Für mich war es nie ein Thema, mich umzubringen. Ein Grund hierfür war, dass ich immer mit jemandem reden konnte. Mein Vater war immer für mich da und ich hatte ein, zwei Freunde, die mir zuhören, wenn ich Sorgen hatte.

Deshalb kann dieses “It gets better” Programm meiner Ansicht nach auch ziemlich in die Hose gehen. Wenn die Videos keinen vernünftigen Inhalt haben. Viele dieser Videos sagen nichts dazu, warum und WIE es denn besser wird. Und deshalb mag ich auch nur ein paar dieser Videos. Diejenigen nämlich (wie auch das von Apple) die darauf eingehen, dass man sich selbst akzeptieren sollte. Dass man sich Freunde anschaffen muss. Ein soziales Umfeld. Oder dass man sich selbst mögen sollte, weil einem dann der Rest der Welt scheißegal sein kann. Weil man sein eigener Standard ist, und weil es einen nicht juckt, wenn man angefeindet wird.

Vielleicht kann ich dann einem Mann, der sich schwuchtelig verhält, in Zukunft dann ganz normal sagen, dass ich es nicht ab kann, wenn er am rum-tucken ist und mich das annervt, ohne dass er einen Weinkrampf bekommt oder mich alle Konformisten drumrum als Schwulenhasser bezeichnen. Hoffentlich ist es dann irgendwann endlich ganz normal jemandem zu sagen, dass er nervt, weil er schwul ist. Genau wie Ed Hardy-Träger. Wie Preußen-Münster-Fans. Wie BWL-Studenten. Wie Proleten. Wie Techno-Fans.

Wenn schwul sein so normal ist, dass man sich “ganz normal” darüber aufregen kann, wenn jemand damit nervt.

Schwul (oder lesbisch) zu sein ist für mich seit mindestens zwanzig Jahren normal. Es wäre wirklich schön, wenn das im Rest der verbohrten, selbstgerechten, eigensinnigen und affigen Gesellschaft endlich ankommen könnte, homosexuell oder nicht.

Ich hab mich heute dazu entschlossen, nichts mehr bei Facebook zu publizieren. Hab ich schon seit Monaten nicht mehr. Trotzdem hatte ich hier und da Dinge, die ich gerne “mitgeteilt” hätte. Vor Facebook habe ich sie in mein Blog kopiert oder verlinkt und einen kleinen Kommentar verfasst. Seit Facebook habe ich mein Blog komplett brach liegen lassen und mich darauf beschränkt, auf Facebook Dinge zu kommentieren von anderen oder selbst auf Kommentare oder “Likes” zu hoffen von Leuten mit denen ich zur Schule gegangen bin.

Nach etwa einem Jahr stellt man dann fest, dass alleine die Timeline nur eine Woche zurück zu drehen bei Facebook ein solcher Aufwand ist, dass man sie nicht als Tagebuch auffassen kann. Ich hab damals mit dem Bloggen angefangen weil ich bei Jörn einfach weil er gebloggt hat den Teil mitverfolgen konnte, der sich ereignet hat, seitdem wir uns nicht mehr beim Squash sehen (Lehramtsanwärterschaft, Telefonicá und jetzt wieder Uni). Und ehrlich gesagt ist es das, was dann auch in Zukunft verloren gehen würde an dem, was ich so im Internet erstelle. Klar kann man meine Kommentare mit einer Google-Suche finden und sieht dann, dass ich meinen Senf gerne zu Allem und Jedem abgebe. Vielfach sind es lange Kommentare die ich dort schreibe in die auch mal eine Stunde Arbeit fließt.

Aber was wenn ich morgen nicht mehr dazu in der Lage bin, Texte zu verfassen? Woran wird man sich erinnern können? Auf Facebook an tausende Felder die ich in Farmville abgeerntet habe. Auf meinem eigenen Blog an die Dinge, die ich kreativ erschaffen habe. Hier bin ich nicht auf 140 Zeichen beschränkt und muss nicht darauf achten, zu negativ zu klingen.

Klar bekomm ich dann hier auch keine “Likes” – aber wenigstens weiß ich, dass es etwas von Dauer ist. Also lasse ich Facebook ab jetzt hinter mir und wende mich wieder meinem Blog zu. Da habe ich wenigstens das Gefühl etwas Gehaltvolles zu tun. Auf FB und Twitter kann ich dann “Likes” und kurze Einwürfe hinterlassen wenn ich Lust habe. Aber diese Lust hatte ich in den letzten Monaten so gut wie überhaupt nicht mehr. Klar werd ich meinen Account nicht löschen. Wie soll ich sonst rausfinden, wer sich mit einer neuen Haarfarbe grad “neu erfunden” hat? ;-)

Was mich zu Folgendem bringt: warum heißt “Vorspulen” auf englischen Kassettenrecordern “Fast-Forward”, “zurückspulen” aber einfach nur “Rewind”? Ich will ja nicht lügen aber meiner Ansicht nach spulen die Geräte gleich schnell in beide Richtungen…

Zose Zilly Amerikanz