Liebe braucht keine 135 Minuten…

Ich war (mittlerweile gestern) im Kino, zum ersten Mal seit ewig und drei Tagen (mit Patrick und Karin), und zwar in The Holidays. Ich weigere mich ehrlich gesagt, den Deutschen Titel komplett anzugeben, denn wieder einmal widerspricht die Aussage eines deutschen Titels dem eigentlichen Inhalt des Films. Denn wo finden die Mädels ihr Glück? Genau. Im Urlaub. Aber lassen wir das und wünschen die deutschen Verantwortlichen bei UIP einfach zum Mond, oder wie sie es nennen würden: Werbetreibende brauchen keinen Sauerstoff

Trotzdem hab ich mich gewundert, mit wie viel Optimismus bezüglich der Darsteller ich in den Film gegangen bin. Eigentlich gestehe ich Cameron Diaz aufgrund ihrer Rolle als Mary eher ulkige als glaubhafte Charaktere zu, und ihr letztes Verbrechen war wirklich zum Davonlaufen (dabei fällt mir gerade auf, dass das der letzte Film davor war, den ich im Kino gesehen habe). Dazu hatte ich einen fahlen Geschmack bezüglich Alfie und Nacho im Mund gehabt, vor allen Dingen weil Letzterer uns auf dem Hin- UND Rückflug nach Kalifornien sowas von auf die Nerven gegangen ist… (Hinweis: der existiert nur, weil der Regisseur/Autor vorher den hier gemacht hat, und der war in den USA ein Hit). Bleibt nur noch Katie. Da ich Titanic nie komplett gesehen habe (oder dazu gezwungen wurde) sondern immer nur bei den letzten dreißig Minuten beim Reinzappen “stirb endlich” in Richtung des armen armen Schiffsmädchenjungen murmel (nur Kirk stirbt langsamer), war ich lediglich bei ihr vollkommen ohne Nebengedanken.

Nun gut ich gebe zu ich war dem Film gegenüber nicht fair und habe aufgrund meiner “Freizeit” (eigentlich hab ich nie frei), sprich Semesterpause/Ferien und dem erfolgreichen kompletten Aufräumen meiner Wohnung und der mehr als vier Tage dauernden Verkabelung aller meiner Audio/Video-Geräte zur Feier des Silvesterfests und ob meines letzten, bereits zwei Jahre zurück liegenden Filmmarathons eine DVD nach der anderen in meinen DVD Player geschoben (der übrigens im Moment rumzickt und ohne Hülle dasteht, vielleicht mach ich mal nen Foto von ‘ner schnell rotierenden Scheibe da drin).

So hatte ich morgens nicht einen oder vielleicht zwei  Oscargewinner bereits gesehen, sondern mit Sinn & Sinnlichkeit derer gleich drei. Dazu mit Stolz und Vorurteil noch einen Film mit vier Nominierungen. Und das ist einfach überhaupt nicht fair, denn niemand wird erwarten, dass Liebe braucht keinen intelligenten deutschen Titel hier auch nur ansatzweise konkurrieren könnte. 

Dennoch war ich der Sache gegenüber relativ offen, muss aber dann doch gestehen, dass es Teils recht “cheesy” wurde. Wo ich bei den beiden Jane Austen-Verfilmungen auch nicht ansatzweise die Augen verdrehen würde – hier ist’s nicht zu vermeiden. Es ist halt etwas Anderes, wenn sich im 18. Jahrhundert ALLE komisch verhalten im Vergleich zu… naja… immer mal wieder einer der Hauptdarsteller in diesem Film hier.

Wobei sich die Frage stellt: wenn Jack Black singt und Jude Law heult während Cameron Diaz nicht heult, ist das dann nicht auch irgendwie alles komplette Rollenvertauschung und tue ich dem Film vielleicht unrecht? Neeee ;-)

Vor allen Dingen aber muss man sich dazu zwingen, die Positiven Sachen vorher nochmal in Erinnerung zu Rufen. Denn es gibt meiner Ansicht nach wirklich gute Filme mit Cameron Diaz, man muss sich einfach nur dran erinnern (vor allem wenn man garnich merkt, dass die Love Story eigentlich Sci-Fi ist ;-) )

Trotzdem war ich dann gestern im Kino zu Beginn (und jedes Mal, wenn Jack Black “gesungen” hat), doch relativ konstant die-Augen-am-Verdrehen, weil in solcherlei Filmen generell “lustige” Sachen vorkommen, die hauptsächlich Frauen nachvollziehen können… wie vielleicht Cameron Diaz’ Problem, nach der Trennung nicht weinen zu können. Wird sie am Ende des Films doch noch geweint haben? (Ja ich weiß, “spannend”). Oder wenn Kate Winslet aufwacht und erstmal das macht, was jede normale glückliche Frau gerne machen würde im Bett, wenn sie zufrieden aufwacht: Kopfkissen-E-Gitarre spielen :-O

Und so zog sich der Film doch relativ lang wie Kaugummi. Bis die Damen endlich die Häuser getauscht hatten war bereits die erste Stunde Film um. Dann schmuggelt sich noch eine Szene die im Flughafen spielt (in der Fantasie von Cameron Diaz’ Charakter), als diese schon längst in ihrem Häuschen in Surrey angekommen ist – also mich hat das verwirrt, wen noch? Vollkommener Fehler am Schneidetisch. Sowas darf eigentlich nicht sein, damit quält man jeden Mann, der genau an der Stelle geistig den Film verlässt und direkt nach dem Film drauf zu sprechen kommen wird (aber im Gegenzug in jedem Stirb Langsam ohne Weiteres akzeptiert, dass Bruce Willis kugelsicher ist, Schweinebacke ;-) )

Der Film hätte also total versumpfen können, wenn ja wenn (und jetzt kommt’s) der für mich bisher äußerst nervige Jude Law nicht durch einen netten Plot Twist auf einmal eine ziemliche Menge Tiefgang erhalten hätte. Klar – die Rolle wurde dadurch nicht ungemein glaubwürdiger aber mein Gott dann gestehen wir ihm seine Herzlichkeit einfach mal zu, Vor allen Dingen wo am Anfang von den Autoren wirklich alles dafür getan wurde den Eindruck zu erwecken, er würde wieder seine übliche Rolle als frauenmordender Gigolo übernehmen – noch unterstrichen durch eine Szene in der zweiten Minute, in der die Sprecherin aus dem Off bei Großaufnahme Jude L. inhaltlich sowas wie “Die Liebe, die nur für einen Tag hält” sagt, mit Gegenschnitt auf irgendeine Frau in einer Kneipe, die danach nicht wieder gesehen ward. One Night Stand Style Baby. Dabei sah er da schon so kuschelig aus :-D

Na jedenfalls ging’s dann bergauf und den Rest des Films bzw. der Filmteile mit Cameron Diaz und Jude Law und ihrer Geschichte war wirklich erfrischend gut geschrieben und gespielt. Der andere Teil des Flims mit Kate Winslet und Jack Black wurde einzig von ihr getragen. Der arme Jack belügt sich seit seinem Auftritt in meinem erklärten Lieblingsfilm einfach wenn er glaubt, dass er etwas Anderes spielen könnte als den dicken Durchgeknallten. Das ging ein, zwei, vielleicht auch drei Mal gut aber bisweilen ist er einfach eine totale Fehlbesetzung. Ok ich geb ihm noch King Kong.

So ist er zwar auch hier wieder Loser, aber mal ernsthaft wenn ICH so schief singen würde in ner Videothek… aber mein Gott es sah wirklich aus, als könnte er Klavier spielen und ich glaube das ist der Grund, warum man ihm im Film so ziemlich alle Nervigkeit (als Frau?) verzeihen mag, weil Künstler sind doch einfach… hach… oder nicht? Na ich würd jedenfalls auch gerne so Klavier spielen können.

Fazit: der Film ist schlappe 15 Minuten zu lang im ersten Teil, danach hat er eine gesunde, gute Geschwindigkeit. Definitiv etwas, in das man mit der Freundin reingehen kann, aber absolut nicht auch nur in der Nähe von so ziemlich allem mit Hugh Grant (vor allem Notting Hill) – oder Natalie Portman und Zach Braff

Aber wenn man ehrlich ist, dann ist einem sowas alles egal, wenn man mit seiner Liebsten in den Film geht, und sobald ich das dann auch mal wieder tun kann (Bewerbungen an die angegebene Adresse ;-) ) dann find ich sicherlich auch alles nur noch schön. ;-)